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Nordmazedonien: Wirtschaft

09.09.2019 - Artikel

Wirtschaftslage

Die Republik Nordmazedonien hat seit der Unabhängigkeit 1991 im Transformationsprozess erhebliche Anstrengungen unternommen. Schon im Vorgriff auf einen späteren EU-Beitritt muss das Land im Rahmen des Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens mit der EU Zollsenkungen vornehmen und sich einem verstärkten Wettbewerb stellen.

Für einen echten Aufholprozess müssten die Wachstumsraten nach Einschätzung von internationalen Experten jährlich zwischen sechs und neun Prozent liegen. Hauptziel der Regierung ist daher die Förderung von Auslandsinvestitionen und die Steigerung des Wirtschaftswachstums. Von Seiten potenzieller internationaler Investoren wird allerdings eine Festigung rechtsstaatlicher Strukturen und eine Effizienz- und Transparenz-Steigerung der öffentlichen Verwaltung sowie bei der Durchführung öffentlicher Ausschreibungen gefordert. Während Ausschreibungen weiterhin nur in Teilen transparent verlaufen, hat die Regierung von Nordmazedonien in den vergangenen Jahren die öffentliche Verwaltung erheblich ausgebaut, jedoch ohne Effizienz oder Servicecharakter erkennbar zu verbessern. Korruption ist weiterhin ein großes Problem.

2018 ist die Wirtschaft um 2,7% gewachsen. Die Arbeitslosenquote in Nordmazedonien war in den letzten Jahren weiterhin sehr hoch, ist aber leicht zurückgegangen auf knapp unter 22%. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt nach Schätzungen bei 50%. Die Quote der unfreiwillig Nichtbeschäftigten dürfte tatsächlich jedoch niedriger liegen, da die informelle Wirtschaft zahlreiche Einkommensmöglichkeiten bietet. Experten gehen insofern von einer „realistischen“ Arbeitslosenquote von circa 20% aus. Männer sind zu knapp über 60% beschäftigt, Frauen nur zu knapp über 40%. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf im Jahr 2018 lag bei rund 4.800 Euro.

Das Durchschnittsnettogehalt eines Berufstätigen beträgt nach offiziellen Angaben 400 Euro im Monat, dies entspricht etwa 3 % des EU-Durchschnitts. Nach Weltbank-Schätzungen leben mehr als 20% der Bevölkerung in Armut.

Die Inflationsrate betrug 2017 1,4 %.

Außenhandel

Die Republik Nordmazedonien ist eine kleine offene Volkswirtschaft. Bei einem begrenzten Markt von rund zwei Millionen Menschen mit geringer Kaufkraft lohnt eine eigenständige Produktion in vielen Bereichen nicht.

Aufgrund der hohen Abhängigkeit des Landes und der Wirtschaft von Importgütern, die sich praktisch über das gesamte Bedarfsspektrum erstrecken, weist das Außenhandelssaldo seit Jahren ein Defizit auf. Hauptimportgüter sind Ölprodukte und Energierohstoffe, Fahrzeuge- und Maschinen aller Art, Metalle und Elektroenergie. Hauptexportprodukte sind Kfz-Zulieferprodukte, Eisen und Stahl verschiedener Verarbeitungsstufen, Textilien aller Art, Tabak und Wein.

Die Importe betrugen 2018 7,67 Milliarden Euro die Exporte 5,86 Milliarden Euro. Das starke Handelsdefizit wird jedoch durch Überweisungen von Auslandsbürgern, Transferzahlungen im Rahmen internationaler Hilfe und Ausgabe von Staatsanleihen an ausländische Investoren sowie ausländische Direktinvestitionen und private Devisentransaktionen ausgeglichen.

Deutschland ist vor Serbien größter Handelspartner des Landes. 2018 betrugen die Importe aus Deutschland 890 Millionen Euro, die Exporte nach Deutschland hingegen 2,76 Milliarden Euro. Maßgebend für den hohen Handelsüberschuss gegenüber Deutschland sind lohnarbeitsgefertigte Kfz-Zulieferprodukte (Katalysatoren, elektronische Anzeigeinstrumente, Kabelbäume) sowie Textil-Lohnarbeitsfertigung (Import von Textil-Vorprodukten; Export der Textil-Fertigprodukte nach Deutschland).

Wichtigste Wirtschaftszweige

Die Land- und Forstwirtschaft ist weiterhin ein Schlüsselsektor der Wirtschaft von Nordmazedonien. Als landwirtschaftliche Nutzfläche werden 1,32 Millionen Hektar (51 Prozent der Gesamtfläche) angesehen. Etwa 17 Prozent der Gesamtbeschäftigung erfolgt in der Landwirtschaft, die 11 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beiträgt. Beinahe 40% der Bevölkerung leben im ländlichen Raum und betreiben Landwirtschaft häufig zur Eigenversorgung.

Industrie und Bergbau haben seit 1991 nahezu kontinuierlich an Bedeutung verloren. Machte 1991 der Anteil dieses Bereichs noch 38,7% der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung aus, so trägt der Industriesektor nur noch etwa 25% und der Bergbau mit 1% zur BIP-Entstehung bei.

Der Anteil des Dienstleistungsbereichs an der BIP-Entstehung ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und liegt bei ca. 65%. Im Dienstleistungsbereich sind 60 Prozent der Beschäftigten zu finden. Auch im Bereich touristischer Dienstleistungen wird Nordmazedonien Wachstumspotenzial bescheinigt, allerdings fehlt es bisher an einer Gesamtstrategie.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt 2017 liegt bei ca. 3,3 Milliarden Euro. Das Defizit beträgt 2,9%, des Bruttoinlandsproduktes. Die Devisenreserven werden mit ca. 2,25 Milliarden Euro angegeben.

Die Weltbank, die Europäische Investitionsbank (EIB) und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) unterstützen durch Kredite die infrastrukturelle und wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Mitgliedschaft in regionalen Wirtschaftsgruppierungen

Zugehörigkeit zu regionalen (Wirtschafts-)Gruppierungen: Southeast European Cooperation Process (SEECP), Central European Initiative (CEI), Europäische Energiegemeinschaft,  Zentraleuropäisches Freihandelsabkommen (CEFTA), Regionaler Wirtschaftsraum (REA) sowie Transportgemeinschaft. Darüber hinaus hat Nordmazedonien Freihandelsabkommen mit der Türkei und der Ukraine geschlossen.

Nordmazedonien wurde im April 2003 146. Mitglied der WTO (Welthandelsorganisation).

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