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Informationen zur Wirtschaft in Mazedonien

Artikel

*VN-Mitgliedschaft unter der Bezeichnung "ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien". Der Staatenname ist zwischen der griechischen und der mazedonischen Regierung umstritten. Es laufen Vermittlungsbemühungen unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen.


Stand: September 2017

Wirtschaftslage

Die ehemalige jugoslawische Republik (ejR) Mazedonien hat seit der Unabhängigkeit 1991 im Transformationsprozess erhebliche Anstrengungen unternommen. Schon im Vorgriff auf einen späteren EU-Beitritt muss das Land im Rahmen des Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens mit der EU Zollsenkungen vornehmen und sich einem verstärkten Wettbewerb stellen.

Für einen echten Aufholprozess müssten die Wachstumsraten nach Einschätzung von internationalen Experten jährlich zwischen 6 und 9 % liegen. Hauptziel der Regierung ist daher die Förderung von Auslandsinvestitionen und die Steigerung des Wirtschaftswachstums. Von Seiten potenzieller internationaler Investoren wird allerdings eine Festigung rechtsstaatlicher Strukturen und eine Effizienz- und Transparenz-Steigerung der öffentlichen Verwaltung sowie bei der Durchführung öffentlicher Ausschreibungen gefordert. Während Ausschreibungen weiterhin nur in Teilen transparent verlaufen, hat die mazedonische Regierung in den vergangenen Jahren die öffentliche Verwaltung erheblich ausgebaut, jedoch ohne Effizienz oder Servicecharakter erkennbar zu verbessern. Korruption ist weiterhin ein großes Problem.

2016 ist die Wirtschaft um 2,3 % gewachsen .Die offiziellen Zahlen der Regierung werden hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit von vielen Beobachtern angezweifelt. Die Arbeitslosenquote in der ejR Mazedonien war in den letzten Jahren weiterhin sehr hoch, ist aber leicht zurückgegangen auf 24 %. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt nach Schätzungen bei 50%.  Die Quote der unfreiwillig Nichtbeschäftigten dürfte tatsächlich jedoch niedriger liegen, da die informelle Wirtschaft zahlreiche Einkommensmöglichkeiten bietet. Experten gehen insofern von einer "realistischen" Arbeitslosenquote von circa 20 % aus. Männer sind zu knapp über 60% beschäftigt, Frauen nur zu knapp über 40 %. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf im Jahr 2016 lag bei rund 4.500 Euro.

Das Durchschnittsnettogehalt eines Berufstätigen beträgt nach offiziellen Angaben 380 Euro im Monat, dies entspricht etwa 35 % des EU-Durchschnitts. Nach Weltbank-Schätzungen leben mehr als 20 % der Bevölkerung in Armut.

Die Inflationsrate betrug 2015 -0,3 Prozent. Für das Jahr 2017 wird von 1 Prozent ausgegangen.

Außenhandel

Die ejR Mazedonien kann als klassisches Beispiel einer kleinen offenen Volkswirtschaft angesehen werden. Bei einem begrenzten Markt von rund zwei Millionen Menschen mit geringer Kaufkraft lohnt eine eigenständige Produktion in vielen Bereichen nicht.

Aufgrund der hohen Abhängigkeit des Landes und der Wirtschaft von Importgütern, die sich praktisch über das gesamte Bedarfsspektrum erstrecken, weist das Außenhandelssaldo seit Jahren ein Defizit auf. Hauptimportgüter sind Ölprodukte und Energierohstoffe, Fahrzeuge- und Maschinen aller Art, Metalle und Elektroenergie. Mazedonische Hauptexportprodukte sind Kfz-Zulieferprodukte, Eisen und Stahl verschiedener Verarbeitungsstufen, Textilien aller Art, Tabak und Wein.

Die mazedonischen Importe betrugen 2016 6,1 Mrd. EUR die Exporte 4,3 Mrd. EUR. Das starke Handelsdefizit wird jedoch durch Überweisungen von Auslands-Mazedoniern, Transferzahlungen im Rahmen internationaler Hilfe und Ausgabe von Staatsanleihen an ausländische Investoren sowie ausländische Direktinvestitionen und private Devisentransaktionen ausgeglichen.

Deutschland ist vor Serbien größter Handelspartner des Landes. 2016 betrugen die mazedonischen Importe aus Deutschland 930 Mio. EUR, die mazedonischen Exporte nach Deutschland hingegen 2 Mrd. EUR. Maßgebend für den hohen mazedonischen Handelsüberschuss gegenüber Deutschland sind lohnarbeitsgefertigte Kfz-Zulieferprodukte (Katalysatoren, elektronische Anzeigeinstrumente, Kabelbäume) sowie Textil-Lohnarbeitsfertigung (Import von Textil-Vorprodukten; Export der Textil-Fertigprodukte nach Deutschland).

Wichtigste Wirtschaftszweige

Die Land- und Forstwirtschaft ist weiterhin ein Schlüsselsektor der mazedonischen Wirtschaft. Als landwirtschaftliche Nutzfläche werden 1,32 Millionen Hektar (51 Prozent der Gesamtfläche) angesehen. Etwa 17 Prozent der Gesamtbeschäftigung erfolgt in der Landwirtschaft, die 11 Prozent zum BIP beiträgt. Beinahe 40 Prozent der Bevölkerung leben im ländlichen Raum und betreiben Landwirtschaft häufig zur Eigenversorgung.

Industrie und Bergbau haben seit 1991 nahezu kontinuierlich an Bedeutung verloren. Machte 1991 der Anteil dieses Bereichs noch 38,7 Prozent der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung aus, so trägt der Industriesektor nur noch etwa 25 Prozent und der Bergbau mit 1 Prozent zur BIP-Entstehung bei.

Der Anteil des Dienstleistungsbereichs an der BIP-Entstehung ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und liegt bei ca. 65 Prozent. Im Dienstleistungsbereich sind 60 Prozent der Beschäftigten zu finden. Auch im Bereich touristischer Dienstleistungen wird der ejR Mazedonien Wachstumspotenzial bescheinigt, allerdings fehlt es bisher an einer Gesamtstrategie.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt 2017 liegt bei ca. 3,3 Mrd. Euro. Das Defizit beträgt 2,9%, des Bruttoinlandsproduktes. .  Die Devisenreserven werden mit ca. 2,25 Mrd. Euro angegeben.

Die Weltbank, die Europäische Investitionsbank (EIB) und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) unterstützen durch Kredite die infrastrukturelle und wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Mitgliedschaft in regionalen Wirtschaftsgruppierungen

Zugehörigkeit zu regionalen (Wirtschafts-)Gruppierungen: Southeast European Cooperation Process (SEECP), Central European Initiative (CEI), Europäische Energiegemeinschaft,  Zentraleuropäisches Freihandelsabkommen (CEFTA), , Regionaler Wirtschaftsraum (REA) sowie Transportgemeinschaft. Darüber hinaus hat die ejR Mazedonien Freihandelsabkommen mit der Türkei und der Ukraine geschlossen.

Die ejR Mazedonien wurde im April 2003 146. Mitglied der WTO (Welthandelsorganisation).


Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen

Deutschland ist traditionell einer der wichtigsten Handelspartner der EJR Mazedonien. Die wichtigsten deutschen Exportgüter sind Vorerzeugnisse für die Textilindustrie sowie Personen- und Lastkraftwagen, bei den Importen nach Deutschland sind Kleidung, chemische Erzeugnisse, metallische Rohstoffe (Eisen, Stahl), Erzeugnisse des Ernährungsgewerbes sowie Fahrzeugelektronik die wichtigsten Güter.

Das bilaterale Handelsvolumen lag 2014 bei 2,15 Mrd. Euro, 2015 bei 2,53 Mrd. Euro und 2016 bei 2,65 Mrd. Euro.

Eine führende Rolle nimmt Deutschland auch bei der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit ein. Seit 1992 wurden der EJR Mazedonien von der Bundesrepublik Deutschland in der Finanziellen und Technischen Zusammenarbeit 346 Millionen Euro zugesagt. Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind die Umweltpolitik (insbesondere Wasserver- und -entsorgung), die Förderung erneuerbarer Energien (Wind- und Wasserkraft) sowie als dritter Schwerpunkt die Unterstützung beim Aufbau der Marktwirtschaft, insbesondere über die Förderung des Bankensektors und von Klein- und Mittelunternehmen (KMU).

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