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Бојан Пеливано: Германска академиска служба за размена (ДААД)

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Das so ein kalter Novembertag im Jahr 2009 so entscheidend für eine Sammlung wertvoller Lebenserfahrungen sein könnte, hätte ich damals nicht gedacht. War aber so, und zwar wie folgt.

Ich befand mich im Besprechungsraum der deutschen Botschaft in Skopje und durfte mich für ein Stipendium des DAAD bewerben. Ohne hier weiter ins Detail zu gehen, habe ich den Tag schon in fester Erinnerung, denn wahrscheinlich hatte ich schon gespürt, was dieses Gespräch für mein weiteres Leben bedeuten würde. Ich habe eine „Ja“ bekommen und konnte so den neuen Lebensabschnitt beginnen. Im August 2010 bin ich in Hamburg gelandet und habe mein Masterstudium an der TU Hamburg gestartet.

Alle Stipendiaten durften für einen Monat bei Gastfamilien wohnen. Für mich gab es keine Familie und so habe ich mich in der WG von Felix wiedergefunden. Aus dem Monat ist nun eine Freundschaft von über 12 Jahren geworden. Das hat mir ermöglicht einen breiten Freundeskreis aufzubauen, was im Jahr 2017 zu einer Reise mit 50 Bekannten nach Mazedonien geführt hat. Diese Menschen haben sicherlich dazu beigetragen, dass ich mich in Deutschland wohlfühle, und der Kulturaustausch hat frischen Wind in unsere Leben geblasen. Und die Leute im Norden, die mögen frischen Wind :-).

In Hamburg habe ich an einem internationalen umweltingenieurwissenschaftlichen Masterstudiengang teilgenommen, wo wir hauptsächlich internationale Studenten waren. Kulturaustausch, Horizonterweiterung, Spaß und Freude, ihr wisst schon Ein Gewinn pur.

Die großartige Zeit in Hamburg und der offene Austausch, der auf persönlicher Ebene stattfand, hatte eine positive Energie in Bewegung gesetzt und ich wollte mehr davon ins Leben rufen. Ich habe klein angefangen. Zum Beispiel als ich erfuhr, dass die Bibliothek der TU Hamburg viele technische Bücher entsorgen wollte. Da mir die Lage der Bibliothek in der Fakultät meiner Heimatstadt Skopje bekannt war, hatte ich sofort die Idee die Bücher nach Mazedonien zu verschenken, anstatt zuzusehen, wie sie entsorgt werden. Gesagt, getan. So entwickelte sich eine nette Kommunikation zwischen den beiden Bibliotheken.

Da ich keine diplomatischen Aufgaben in Hamburg hatte, habe ich mich auf mein erstes Ziel fokussiert – das Studieren. 😊 In Hamburg konnte ich neben dem ingenieurwissenschaftlichen Studium auch ein zweites Masterstudium für Betriebswirtschaftslehre antreten und Erfahrung in den Bereichen Unternehmensgründung sowie Unternehmensfinanzierung sammeln. Während des Studiums habe ich mich außerdem mit zwei Kommilitonen zusammengeschlossen und ein Start-up gegründet. Nachdem wir mit unserer Firma Terra Pellet den ersten Preis für Business Planung an der Jacobus Universität, sowie den zweiten Platz beim TUHH Gründerpreis für Nachhaltigkeit erhalten haben, haben wir die Firma erfolgreich an einen Investor verkauft.

Nach Abschluss der beiden Masterstudien im Jahr 2013 bin ich in Kontakt mit meinem jetzigen Arbeitgeber, der Firma WTE Wassertechnik getreten. Die Firma WTE plant, baut und betreibt Abwasserkläranlagen und Trinkwasserwerke. Da Anlagen dieser Art ein Traum für einen Ingenieur sind, und da Kläranlagen in Mazedonien von großem Bedarf sind, habe ich die Möglichkeit für weiteren gegenseitigen nützlichen Austausch zwischen den Ländern gesehen und die Herausforderung angenommen, um als frischgebackener Ingenieur die Welt ein Stück positiver zu gestalten.

Auf diesem Weg haben nun die Gemeinden Kocani, Strumica, Radovish und Kichevo seit 2017 saubere Gewässer und das Abwasser wird gereinigt, bevor es in die Flüsse geleitet wird. Da Mazedonien keine langjährige Erfahrung mit dem Betrieb von Kläranlagen hat, habe ich wir eine Konferenz in Skopje organisiert. Renommierte Professoren und Kläranlagebetreiber aus ganz Deutschland haben aus 100 Jahren Betriebserfahrung in Deutschland berichtet, um den neuen Betreibern in Mazedonien Mut zuzusprechen und Hilfestellung zu geben, den Betrieb von Kläranlagen aufrecht zu erhalten.

Seitdem wird dieser Austausch regelmäßig während des Weltwassertags gepflegt, und durch unterschiedliche Themen bereichert. Nach der Konferenz im Jahr 2017 folgte z.B. ein Kultur- und Umweltprojekt im Jahr 2019, wo die Betonbecken einer Kläranalgen mit Streetart bemalt wurden. 2022 haben wir ein Projekt organisiert, in dem alle Grundschüler in Skopje etwas über das Thema Grundwasser lernen konnten, damit das Bewusstsein für den Grundwasserschutz schon bei den Kleinsten entstehen kann.

Der Gedanke sich persönlich weiterzuentwickeln war stetig da und so habe ich 2017 mit meiner Promotion begonnen. Mit der ersten Arbeitserfahrung in der Tasche war mir schon klar wie viel Energie notwendig war, um Abwasser zu reinigen. So hatte ich eine Idee entwickelt, wie wir die Energieverbrauch bei der Abwasserbehandlung reduzieren können. Die Erstergebnisse waren so vielversprechend, dass Professoren an der Universität Washington an dem innovativen Verfahren interessiert waren und 2019 durfte ich in Seattle ein Jahr lang meine Forschung fortführen. Im Jahr 2020 habe ich dann in Deutschland erfolgreich den Doktortitel erlangt.

So stehe ich nun vor meiner neuen Herausforderung, denn ab dem 01.06.2022 werde ich als Geschäftsführer einer internationalen Betriebsgesellschaft fungieren, wobei ich die Verantwortung für über 500 Leute und 60 Millionen Euro Jahresumsatz übernehme. Ich freue mich.

So blicke ich auf die vergangenen 12 Jahre zurück und bemerke, dass ich nicht nur wertvolle Lebenserfahrung sammeln durfte, sondern im Bereich Wasserwirtschaft und Umweltschutz auch zu einem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mehrwert in Mazedonien und Deutschland beisteuern konnte. Ich möchte auch ein großes DANKE sagen; Danke, dass mir die Möglichkeit geboten wurde das Potenzial, welches zwischen den Ländern besteht, zu entfalten und dabei die Umwelt zu schützen.

Dieser Essay war für mich wie eine kleine Zeitmaschine, mit der ich gedanklich in die Vergangenheit gereist bin. Wohin die Reise in den nächsten 12 Jahren geht, darauf bin ich sehr gespannt.

Бојан Пеливано: Германска академиска служба за размена (ДААД)

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